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| Jobs und Betriebe 

IV-NÖ Präsident im Gespräch

Das Waldviertel ist bekannt für seine tolle Lebens- und Freizeitqualität. Was die wenigsten wissen ist, dass die Region auch ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist. Welches Bild haben Sie als Präsident der IV-Niederösterreich vom Standort?
Das Waldviertel hat sich, so wie das gesamte Bundesland NÖ, in den vergangenen Jahren zu einem Industrieland entwickelt. Einige Industrieunternehmen der Region mischen heute vom Waldviertel aus auf dem Weltmarkt mit. Denken Sie nur an Eaton in Schrems, an Pollmann in Karlstein oder an Hartl Haus in Echsenbach und AGRANA in Gmünd, um nur einige Beispiele zu nennen.

Allesamt Unternehmen, die es verstanden haben die sich bietenden Chancen auf neuen Märkten zu nutzen.
Absolut richtig. Aber es ist auch ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Region im globalen Wettbewerb  durchaus mithalten kann.  Gerade in wirtschaftlich fordernden Zeiten können Unternehmen nur dann erfolgreich agieren, wenn sie am Standort die richtigen Rahmenbedingungen vorfinden. Dann können sie auch für Arbeitsplätze und regionalen Wohlstand sorgen.

Wobei im Waldviertel eher der Tourismus und die Gastronomie als Arbeitsplatzmotor gelten.
Das stimmt nur auf den ersten Blick . Bei näherer Betrachtung wird deutlich: Die Industrie ist auch im Waldviertel einer der wichtigsten Jobmotoren. Durch die enge Vernetzung mit weiteren Wirtschaftssektoren schafft ein Beschäftigungsverhältnis in der niederösterreichischen Herstellung von Waren insgesamt drei weitere Arbeitsplätze. Gemeinsam mit den industrienahen und produktionsorientierten Dienstleistungen sichert die Industrie rund 282.000 Jobs in ganz Niederösterreich.

Wie sieht es dabei mit der Entlohnung aus?
Die blau-gelbe Industrie entlohnt überdurchschnittlich hoch. Der servoindustrielle Sektor kommt für rund die Hälfte der gesamten Löhne in unserem Bundesland auf. Damit trägt die Industrie maßgeblich zur Stärkung der regionalen Kaufkraft bei. In den vergangenen Jahren konnten wir diese in Niederösterreich sogar kontinuierlich steigern. Auch zwischen den Bezirken werden die Kaufkraftunterschiede immer geringer, so dass wir aktuell bei einer durchschnittlichen Kaufkraft von 20.200 Euro liegen. Wir zählen damit zur österreichischen und europäischen Spitze.

Was zeichnet den Industriestandort Waldviertel Ihrer Meinung nach aus?
Die Waldviertler Industriemitarbeiterinnen und Industriemitarbeiter sind für ihre Loyalität und Treue gegenüber den Unternehmen bekannt. Selbstverantwortung, Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft der Beschäftigten sind tragende Säulen des Erfolgs der Waldviertler Betriebe. Diese Tugenden sprechen für die vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Region und sind mit Sicherheit einer der größten Standort-Assets.

Wo sehen Sie Potenziale in der Zukunft des Wirtschaftsstandortes Waldviertel?
Ich denke, dass wir die Möglichkeiten der Grenzregion noch nicht voll ausgeschöpft haben – sowohl zu den Regionen innerhalb Österreichs als auch zu jenen der Nachbarländer. Immerhin steht mit Oberösterreich das stärkste Industrieland Österreichs ante portas. Aber auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Tschechien und der Slowakei steht eigentlich erst am Anfang. Die Chancen sind nach wie vor da, wir müssen sie nur nutzen.

Wie kann das gelingen?
Durch noch mehr Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung, Innovation und intelligente Infrastruktur (z.B. Daten-, Energie-, Gütertransport). Das ist der einzige Weg, unseren Wohlstandsvorsprung nachhaltig abzusichern. Angesichts der volatilen Konjunktursituation rücken zum Beispiel Investitionen in die heimische Infrastruktur als Impulsmaßnahme für Wirtschaft und Arbeitsplätze verstärkt in den Fokus. Infrastrukturinvestitionen sind jedoch nicht nur darauf zu reduzieren, in wirtschaftlich schlechten Zeiten für Wachstum und Beschäftigung zu sorgen, vielmehr entscheidet der Standortfaktor Infrastruktur in jeder Hinsicht über den Erfolg – sowohl für in Österreich ansässige Unternehmen und die Exportwirtschaft als auch im Hinblick auf Standortattraktivität für Betriebsansiedelungen.

Was braucht eine Region wie das Waldviertel darüber hinaus noch, um als Industriestandort zukunftsfit zu bleiben?
Österreich hat einen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Besonders stark davon betroffen sind Regionen, die nicht unmittelbar an Ballungszentren grenzen, so auch das Waldviertel. Für die künftige Entwicklung der Region wird es daher entscheidend sein, ob eine höhere Verfügbarkeit an qualifiziertem Personal gewährleistet werden kann oder nicht.

Wie kann man dem Fachkräftemangel entgegenwirken?
Zum einen in dem man sich aktiv um Zuzug bzw. der Verhinderung der Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften bemüht – die hohe Lebensqualität spricht ja für die Region als Wohn- und Arbeitsstandort. Auf der anderen Seite muss das regionale Bildungsangebot an die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft angepasst werden. Die Errichtung eines zweiten HTL-Zweiges im Waldviertel ist längst überfällig. Die Erweiterung der HTL-Karlstein bietet sich dafür an, da hier noch Kapazitäten verfügbar sind.

Was verbinden Sie persönlich mit dem Waldviertel?
Ich habe die ersten 12 Jahre meines Berufslebens in Gmünd in der AGRANA-Stärkefabrik verbracht und familiär die Vorteile einer Bezirksstadt genossen. Die Integration eines Industriebetriebes habe ich dort hautnah erlebt und gestaltet.

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