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| Zukunft Region  | Rastenfeld

Das KORNGUT

Nominiert für den ‚Adi Kastner‘ - Zukunftspreis Waldviertel 2025: Das KORNGUT - Vom alten Getreidespeicher zum modernen Urlaubs- und Seminarhotel.

Das KORNGUT in Niedergrünbach eingebettet in eine wunderschöne Kulturlandschaft © Lagerhaus Zwettl

Wo ein alter Speicher Zukunft schafft

Mehr als drei Jahrhunderte lang lagerte in Niedergrünbach Getreide hinter mächtigen Steinmauern. Dann verstummte das Gebäude. Aus einem wichtigen Teil regionaler Geschichte wurde eine Brache. Heute kommen wieder Menschen hierher – um Urlaub zu machen, zu arbeiten, zu feiern und das Waldviertel zu entdecken.

Dass dieser Wandel möglich wurde, ist Claudia und Matthias Lemp zu verdanken. Gemeinsam mit Gastgeberin Verena Lemp und zahlreichen Partnern aus der Region verwandelten sie den historischen Speicher in das KORNGUT, ein familiengeführtes Urlaubs- und Seminarhotel. 

Eine Idee aus Verbundenheit

Claudia und Matthias Lemp stammen aus der Gegend. Auch Matthias’ Schwester Verena ist hier aufgewachsen. Den beinahe verfallenen Speicher kannten sie seit ihrer Kindheit – vom Vorbeiradeln und als vertrauten Teil der Landschaft.

Die Investition war für die Familie deshalb mehr als ein Bauvorhaben. Sie wollten in ihrer Heimatregion etwas Bleibendes schaffen und dabei Verantwortung für Umwelt und Kultur übernehmen. Gemeinsam mit dem damaligen Projektpartner Michael Exenberger entstand die Vision, das Gebäude nicht abzureißen, sondern ihm eine neue Aufgabe zu geben.

Seine Geschichte reicht weit zurück: Der Speicher wurde 1693 errichtet. Die Steine seiner Außenmauern sollen von einer Burg aus dem 12. Jahrhundert in Niedergrünbach stammen. Später diente der 62 Meter lange Bau unter anderem dem Lagerhaus als Getreidespeicher. Heute gilt seine Revitalisierung im Brachflächen-Dialog des Umweltbundesamtes als Best-Practice-Beispiel für den ländlichen Raum.

Wie alles begann: Der alte Getreidespeicher in Niedergrünbach © Korngut

Erhalten, was nicht ersetzbar ist

Beim Umbau blieb das historische Mauerwerk bestehen. Natursteinwände wurden aufgearbeitet, die Fassade in traditioneller Kalktechnik erneuert und der Dachstuhl originalgetreu neu errichtet. Wo ein desolates Nebengebäude weichen musste, entstand ein Holzbau. Neue Flächen wurden dafür nicht versiegelt.

Gerade darin liegt eine der wichtigsten Botschaften des Projekts: Zukunft muss nicht immer auf der grünen Wiese beginnen. Sie kann dort entstehen, wo Menschen den Wert des Vorhandenen erkennen.

Heute umfasst das Ensemble 36 Ferienzimmer und Apartments, Räume für Seminare und Feste sowie einen Rooftop-Saunabereich. Historische Mauern und der weite Blick in die Waldviertler Landschaft prägen das Haus.

Historische Substanz, moderne Technik

Hinter den alten Mauern arbeitet moderne Technik: Hackschnitzel aus Kooperationen mit Landwirten der Umgebung, Erdwärmekollektoren, Wärmepumpe, Betonkernaktivierung und Photovoltaik bilden ein abgestimmtes Energiesystem. Fußboden- und Wandheizungen verbinden Komfort mit der technisch anspruchsvollen Aufgabe, das historische Gebäude dauerhaft trocken zu halten. Acht E-Ladestationen ergänzen das Konzept. 

Die Innovation liegt im Zusammenspiel: Ein jahrhundertealtes Gebäude wird zeitgemäß genutzt, ohne seine Identität zu verlieren – und ohne dafür weitere Landschaft zu verbauen.

Ein Waldviertler Gemeinschaftswerk

Planung und Umsetzung waren eine regionale Gemeinschaftsleistung. Lemp Energietechnik, das MeisterCenter des Lagerhauses Zwettl und zahlreiche Unternehmen aus der Umgebung brachten ihr Wissen ein – vom Erd- und Trockenbau bis zu Elektroarbeiten, Malerei und Gartengestaltung.

Auch traditionelles Handwerk blieb sichtbar: Ein Schmied aus Friedersbach fertigte Fahnenstange und Giebelschmuck nach überlieferten Verfahren. Altes Holz wurde beim Rückbau sorgfältig getrennt und bestmöglich weiterverwertet. So wurde die Baustelle selbst zu einem Beispiel dafür, wie Kooperation und Ressourcenschonung ineinandergreifen können. 

Wertschöpfung, die in der Region bleibt

Das KORNGUT stärkt das Waldviertel als Reiseziel und als Lebens- und Wirtschaftsraum. Seine Mitarbeiter:innen kommen laut Einreichung aus einem Umkreis von nur zehn Kilometern. Beim Frühstück stehen Produkte regionaler Betriebe auf dem Tisch, auf dem Marktplatz werden Erzeugnisse aus der Heimat präsentiert.

Das Haus ergänzt Angebote wie den Golfclub Ottenstein und das Restaurant Hettegger. Die Nähe zum Ottensteiner Stausee macht es zu einem Ausgangspunkt für Urlaub, Seminare und Feste. Frühstücksangebote und Veranstaltungen heißen auch Menschen aus der Region willkommen.

Früher half der Speicher, die Bevölkerung mit Getreide zu versorgen. Heute nährt er die Region auf andere Weise: mit Arbeitsplätzen, Aufträgen, Gästen und neuen Begegnungen. 

Das Projekt KORNGUT wurde für den ‘Adi Kastner’ Zukunftspreis Waldviertel nominiert, weil es zeigt: 

Zukunft kann dort beginnen, wo Menschen den Wert des Vorhandenen erkennen und Geschichte bewahren.

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