Warum das Waldviertel weiter anzieht
Im ersten Halbjahr 2026 zeigte sich der Waldviertler Immobilienmarkt deutlich stabiler als in den Vorjahren. Die anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten, steigende Zinsen und eine schwache Konjunktur könnten diese Entwicklung in Zukunft dämpfen, doch die Sehnsucht nach dem Waldviertel als sicherer Wohn- und Arbeitsstandort bleibt groß.
Entscheidend ist nun, ausreichend verfügbare Immobilien mit den Interessierten zusammenzubringen – eine Aufgabe, bei der Gemeinden, Immobilienexpert:innen und regionale Partner gemeinsam an einem Strang ziehen.
Gestern gab es dazu ein Pressefrühstück in der Lounge des Raiffeisenhauses Wien. Rede und Antwort standen Ing. Mag. (FH) Peter Weinberger, Geschäftsführer Raiffeisen Immobilien NÖ, Wien & Burgenland und Sprecher Raiffeisen Immobilien Österreich, Patrick Layr, Bürgermeister der Stadtgemeinde Weitra, Obmann des Vereines Interkomm Waldviertel und Projektträger der Initiative „Wohnen im Waldviertel“ und Josef Wallenberger, Experte für Standort- und Regionalentwicklung und Geschäftsführer der Wallenberger & Linhard Regionalberatung in Horn.
Aktuelle Lage des Immobilienmarktes Waldviertel
Der Immobilienmarkt im Waldviertel hat sich nach den schwierigen Jahren 2023 und 2024 wieder etwas erholt. 2025 wurden 1.855 Immobilien im Gesamtwert von rund 196 Millionen Euro verkauft – mehr als 2024, aber deutlich weniger als in den Corona-Jahren 2021 und 2022.
Auch 2026 bleibt der Markt bisher stabil: Im ersten Halbjahr wurden 642 Immobilien verkauft, nahezu gleich viele wie im ersten Halbjahr 2025 (650). Auch der Gesamtwert der Verkäufe blieb mit rund 53 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.
„Der Immobilienmarkt im Waldviertel zeigt sich insgesamt wieder freundlicher. Allerdings trifft eine aktuell wieder steigende Nachfrage auf stagnierendes Angebot, insbesondere bei neuen Immobilien“, fasst Ing. Mag. (FH) Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien in NÖ/Wien/Burgenland die aktuelle Lage zusammen.
Das spiegelt sich auch in der Preisentwicklung für Einfamilienhäuser und Grundstücke wider. Nach dem Preiseinbruch der Jahre 2023 und 2024, der primär den gestiegenen Zinsen und verschärften Kreditvergabevorschriften geschuldet war, stabilisierte sich der Markt und zog 2025 wieder an. Für ein Einfamilienhaus, nach wie vor die gefragteste Immobilienart im Waldviertel, musste man 2025 rund 2.300 Euro pro Quadratmeter bezahlen, - 27 Prozent mehr als im Jahr davor. Auch die Grundstückspreise verteuerten sich von durchschnittlich 20 Euro auf 26 Euro je Quadratmeter.
Kurz gesagt: Nach dem deutlichen Rückgang durch hohe Zinsen und strengere Kreditvorgaben hat sich der Immobilienmarkt im Waldviertel wieder stabilisiert. Die Nachfrage zieht an – und bei Häusern und Grundstücken steigen dadurch auch die Preise wieder.
Hitzewelle beschleunigt den Zuzug ins kühlere Waldviertel
Auch im ersten Halbjahr 2026 bleibt das Interesse an Wohnimmobilien im Waldviertel hoch, begleitet von stabilen bis leicht steigenden Preisen.
„Insbesondere Einfamilienhäuser sind gefragt. Wie in ganz Niederösterreich stehen dabei derzeit vor allem Bestandsobjekte in gutem Bauzustand hoch im Kurs. Das entsprechende Angebot ist im Waldviertel jedoch knapp. Angesichts stark gestiegener Baukosten stellen bestehende Häuser für eine wachsende Kundengruppe eine attraktive Alternative zum Neubau dar“, erläutert Weinberger.
Notwendige Renovierungen können nach und nach erfolgen. Dabei bietet das Waldviertel einen weiteren Vorteil: Es gibt viele vergleichsweise günstige Handwerksbetriebe mit hoher Qualität in der Region.
Auch während der Hitzewellen des heurigen Sommers blieb das Interesse laut Raiffeisen Immobilien auf hohem Niveau.
Weinberger: „Menschen aus den Ballungszentren entdecken das klimatisch angenehmere Waldviertel verstärkt für sich. Dazu zählen sowohl Interessent:innen an einem Zweitwohnsitz als auch Best Ager, die hier einen attraktiven Wohnort für ihren nächsten Lebensabschnitt finden wollen.“
Gesucht werden vor allem kleinere bis mittelgroße Landhäuser mit etwa 150 bis 170 m² Wohnfläche – in gutem Zustand sind solche Objekte allerdings nur selten zu finden.
Für den Alterswohnsitz werden zunehmend auch Häuser außerhalb zentraler Orte interessant. Wer nicht mehr täglich zur Arbeit pendeln muss und mobil ist, kann mit einer etwas geringeren Infrastruktur vor Ort eher umgehen.
Es ziehen nach wie vor mehr Menschen ins Waldviertel als wegziehen
Dass das Waldviertel keine Abwanderungsregion mehr ist, ist mittlerweile bekannt. Auch im vergangenen Jahr sind laut Statistik Austria 5.285 Menschen in die NUTS3 Region Waldviertel gezogen und haben hier ihren Hauptwohnsitz gegründet. 1.269 davon kamen aus Wien, 542 aus dem Wiener Umland. Auch Tiroler:innen waren wieder mit dabei.
Und somit zogen 329 Personen mehr zu als weg.
Die Bezirke Gmünd, Horn, Krems Land und Waidhofen an der Thaya sowie die Stadt Krems verzeichneten einzeln betrachtet ebenfalls eine positive Wanderungsbilanz, mit Ausnahme des Bezirkes Zwettl mit einem leichten Minus von 97 Personen.
Bei der Geburtenbilanz zeigt sich ein anderes Bild. 1.519 Geburten stehen 2.571 Sterbefällen gegenüber, was zu einem Minus von 1.052 führt. Die positive Wanderung schafft es demnach nicht, die stark negative Geburtenbilanz auszugleichen und den leichten Bevölkerungsrückgang gänzlich zu stoppen. Es braucht also auch in Zukunft mehr Zuzug – und dafür braucht es mehr Immobilien-Angebot!
In Zeiten multipler Krisen suchen Menschen einen sicheren Wohnort
Trotz schlechter Konjunkturlage, steigender Zinsen und großer allgemeiner Verunsicherung haben Menschen auch im letzten Jahr im Waldviertel Wohnraum geschaffen. Der Grund? „Neben dem noch leistbaren Wohnraum und der enormen Lebensqualität ist es das Thema Sicherheit, das die Menschen überzeugt,“ so der Regionalentwickler Josef Wallenberger.
Gemeint sind dabei finanzielle Sicherheit (leistbares Wohnen), berufliche Sicherheit (Arbeitsplätze), Versorgungssicherheit, Lebensqualität und Stabilität.
Das beweist unter anderem ebenfalls die Statistik. „Die stärkste Gruppe der Menschen, die zuziehen, ist zwischen 20 und 37 Jahre alt und bringt oftmals Familie mit bzw. möchte in naher Zukunft eine Familie gründen. Hier geht es um die Frage, wo die eigenen Kinder aufwachsen bzw. in die Schule gehen sollen. Und die Antwort lautet oft:
Im Waldviertel!“, so Wallenberger weiter.