Beim Treffen der Industriegruppe Waldviertel ging es in erster Linie um die Bahnverbindung zwischen Gmünd, Horn und Wien. Neben der Präsentation einer aktuellen Studie über die Ausbaumöglichkeiten der Franz-Josefs-Bahn stand auch eine kurze Führung durch das Eisenbahnmuseum Sigmundsherberg auf dem Programm.
Die Franz-Josefs-Bahn
2400 Menschen im Waldviertel nutzen täglich die Franz-Josefs-Bahn (FJB), die die Region ab Gmünd bis Wien anbindet. Auch für die Betriebe spielt die Bahnstrecke eine wichtige Rolle - sei es in Bezug auf den Güterverkehr oder eine bessere Erreichbarkeit für Pendler.innen. Aus diesem Grund hat sich auch die IV-NÖ seit längerem für einen Ausbau der Strecke eingesetzt.
Exklusive Studienpräsentation für die Industriegruppe Waldviertel
Die dazu erforderlichen Maßnahmen wurden nun in einer Studie vom Land NÖ ermittelt, deren Ergebnisse beim Industriestammtisch am 5. September 2016 exklusiv am Bahnhof Sigmundsherberg präsentiert wurden. Davor stand eine Führung durch die Sonderausstellung "150 Jahre Franz-Josef-Bahn" unter der Leitung von Rupert Öhlknecht am Programm. Insgesamt nahmen rund 40 Gäste an dem Stammtisch, den die IV-NÖ gemeinsam mit dem Wirtschaftsforum Waldviertel organisierte, teil. Auch Verkehrslandesrat Karl Wilfing, Landesrat Maurice Androsch und IV NÖ-Präsident Thomas Salzer waren mit dabei.
Drei Pakete für Ausbau geplant
Der Ausbauplan der FJB umfasst laut Studie im wesentlichen drei Schritte, wie Werner Pracherstorfer, Leiter der Gruppe Raumordnung und Verkehr im Land NÖ, und Wolfgang Schroll, Geschäftsführer der VOR GmbH gemeinsam erklärten:
Zunächst solle die Strecke modernisiert werden, sodass acht Minuten Zeitgewinn bis Wien-Heiligenstadt erreicht werden können.
Im zweiten Schritt wäre eine 3,1 Kilometer lange Direktanbindung der Bezirkshauptstadt Horn erforderlich. Dadurch könnten insbesondere Güterzüge leichter auf der ausweichen.
Das dritte Maßnahmenpaket umfasst konkrete Neubauschritte, etwa durch Streckenbegradigungen. Dadurch soll eine Fahrzeit von einer Stunde und 33 Minuten zwischen Gmünd und Wien-Hütteldorf erreicht werden - Pendler.innen ersparen sich dadurch mehr als eine halbe Stunde.
Finanzierung derzeit noch offen
Das dazu notwendige Gesamtinvestitionsvolumen beträgt laut Pracherstrofer rund 910 Millionen Euro. Er rechnet damit, dass es mindestens zehn Jahre dauern wird, bis alle notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden können. Die Finanzierung des Streckenausbaus ist derzeit noch offen. Verkehrslandesrat Karl Wilfing, gab sich in seinem Impulsstatement jedoch optimistisch: "Wir müssen uns das gemeinsam mit dem Bund ansehen. Niederösterreich wird sich natürlich bei der Finanzierung beteiligen müssen, und bei den Neubauten sind wir auf die Unterstützung der ÖBB angewiesen." Eine bessere Anbindung nach Tschechien sei ebenfalls geplant, wie Pracherstorfer erklärte: "Es soll wieder eine umstiegsfreie Verbindung zwischen Wien und Budweis geben. Die Gespräche mit Tschechien laufen bereits."
Wallenberger: "Ambitioniertes, aber realisierbares Gesamtpaket"
Josef Wallenberger, Regionalberater und Mitglied des Wirtschaftsforum Waldviertel, sprach in diesem Zusammenhang von einem ambitionierten, aber auch realisierbaren Gesamtpaket: "Endlich liegt etwas auf dem Tisch."
Industriegruppensprecher Raimund Hengl hoffte, dass die verschiedensten Standpunkte bei der Umsetzung der Maßnahmen berücksichtigt werden, sodass auch der Güterverkehr für die Waldviertler Betriebe nicht eingeschränkt werde.